Ich bin ein [Texas-Born] Berliner

Life, people, and Kultur

By way of self-introduction, specifically for first-time visitors to my home abroad here: I’ve had this unorthodox and extended life that not even several fairly good friends really know terribly many about any of it, so at the chance of seeming a very important factor or another I’ve made a decision to use, as sort of concentrated résumé, what Germans call the Laudatio read to me and a few assembled close friends in a climactic day of my entire life a little over three years ago, whenever a Berlin Staatssekretärin pinned in me a high-level decoration translatable as Germany’s Federal government Cross of Merit.

In the interest of documentary completeness, I translate the following document with all the pedantic punctilio I could manage, in the interest certainly not of literary felicity but of trying to capture the entire formal ceremonious courtliness of the original German. 

Laudatio der Staatssekretärin Barbara Kisseler zu Ehren von Paul Moor anlässlich Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande am 16. Januar 2004. Lieber Herr Moor, meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist mir wirklich eine sehr grosse Freude, Ihnen lieber Herr Moor, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen. Ich kann mir denken, dass ein Journalist, der es gewohnt ist, kurz und prägnant zu formulieren, über diesen Begriff ein wenig lächeln muss. Die hohe Auszeichnung, die Sie heute erhalten, gibt mir die vielleicht einmalige Möglichkeit, auf das grosse und vielfältige Oeuvre Ihres langen und erfolgreichen Berufslebens etwas genauer einzugehen. Lassen Sie mich einige Schlaglichter auf Ihr eindrucksvolles Werk werfen und zugleich versuchen, Ihre Gäste nicht mit längst bekannten Fakten zu langweilen. Lieber Herr Moor, Sie werden ausgezeichnet, weil es Ihnen in den über 60 Jahren Ihrer künstlerischen und journalistischen Tätigkeit wie nur sehr wenigen Persönlichkeiten gelungen ist, die kulturellen Leistungen unseres Landes in der Welt bekannt zu machen. 

Als gesellschaftlich engagierter Journalist internationaler Magazine haben Sie – quasi als ein Bürger, der von seiner Meinungsfreiheit berufsmässig Gebrauch macht – für die Qualität deutscher Kunst und Kultur geworben. Sie haben somit entscheidend dazu beigetragen, ihr zu internationaler Anerkennung zu verhelfen. Gerade in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen es nicht nur in den USA grosse Vorbehalte gegen Deutschland und seine Bevölkerung gab, haben Sie sich grosse Verdienste erworben. Sie brachten Deutschland auch mit anderen, positiven Dingen in Verbindung, nicht nur mit Diktatur, Krieg und Mord. Sie haben damit ganz ohne Zweifel zu einer besseren Verständigung zwischen den Ländern oder, besser und konkreter gesagt, seinen Menschen beigetragen. Sie haben deutlich gemacht, dass es zahlreiche Gemeinsamkeiten gibt, und das nicht nur auf kulturellem Gebiet. Bekannt wurden Sie in Deutschland aber vor allem durch Ihre Auseinandersetzung mit dem Prozess gegen Jürgen Bartsch, der in der damaligen Bundesrepublik grosses Aufsehen erregte. Die “Legende” will es – und bitte korrigieren Sie mich, wenn die Fakten fehlerhaft sind – dass Sie durch die Presse von dem Prozess erfuhren, hinfuhren und darüber berichteten. Sie fanden, dass es sich das Gericht zu einfach machte, als es Jürgen Bartsch als vollkommen schuldfähig einstufte und zu mehrfach “lebenslänglich” verurteilte. Sie durften ihn nicht besuchen, aber ihm schreiben, und es entwickelte sich ein Briefwechsel, der auch Ihr Leben veränderte. Sie studierten Psychologie [richtig: Psychoanalyse], eine Wissenschaft, die Sie fortan nicht mehr losgelassen hat. Sie korrespondierten mit berühmten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie Alice Miller und veröffentlichten 1972 das Buch “Das Selbstporträt des Jürgen Bartsch”, ein viel besprochenes Buch. Nach dem zweiten Buch über Jürgen Bartsch, “Opfer und Täter”, das 1991 erschien, wurde es ein Jahr später durch Oliver Reese dramatisiert. 2001 wurde eine weitere dramatische Fassung durch den Regisseur Peter Förster erarbeitet. Das Beeindruckende dieses Werks liegt auch darin, dass Ihnen als aussenstehenden Amerikaner auffiel, was die bundesrepublikanische Gesellschaft von damals nicht sah oder sehen wollte: Das Grausame der Erziehung, die Jürgen Bartsch durchlitten hatte; diese strenge Erziehung war aber nicht Thema vor Gericht, obwohl sie es hätte sein müssen. Mit Ihrem schockierenden und beunruhigenden Buch zeigen sie das fehlgeleitete Leben eines Kindermörders als Opfer und Täter. Ihr Vorsprung gegenüber den Boulevard-Blättern drückt sich ja vor allem darin aus, dass sie sich selbst und den Lesern deutlich machten, wie wenig wir eigentlich wissen. Ich habe das Gefühl, dass auch über 30 Jahre danach die Diskussion nicht abgeschlossen ist, nicht abgeschlossen sein darf. Sehr geehrter Herr Moor, mit besonderem Nachdruck möchte ich betonen, dass gerade die Stadt Berlin von Ihren journalistischen Beiträgen profitiert hat. Denn seit 1956 hatten Sie sich immer wieder für Berlin als Wohnort entschieden und leben seit 1995 ständig hier. Erstaunt war ich zunächst, als ich hörte, dass Sie bei der Berlinale 1973 in der Jury gearbeitet haben. Doch schliesslich war neben der Fotografie auch der Film ein wichtiger Bereich Ihrer nun wirklich unglaublich vielfältigen Arbeit. Sie haben 1944 Ihr erstes Drehbuch geschrieben und haben u.a. 1980 einen viel beachteten Dokumentarfilm über einen unbekannten und damals noch praktizierenden Arzt gedreht. Dieser hatte 18 Monate am sogenannten “Hygiene-Institut” in Auschwitz gearbeitet und ist dabei – in Ihren Worten – ein “admirable human being” geblieben. Auch in diesem Punkt erweisen Sie sich als Autor, der Themen “gegen den Strich” behandelt und scheinbare Gewissheiten in Frage stellt. Lieber Herr Moor, bis hierher war viel von Politik und Journalismus die Rede, von Ihrem Studium der Psychologie und Psychoanalyse, aber ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit, ja eine wichtige Leidenschaft Ihres Lebens, wurde bislang nicht angesprochen, die Musik. An dieser Stelle muss ich mich an ein Zitat von Otto von Bismarck erinnern, der einst sagte: “Wenn ich Beethoven höre, werde ich tapfer.” Ich bin sicher, dass Ihnen die Musik weitaus mehr bedeutet, denn sie hat Ihr Leben bestimmt – während Ihres Studiums an der texanischen Universität in Austin, bis 1954 als hochbegabter Pianist, der dennoch schon damals den Drang des Schreiben-Müssens in sich fühlte und bis heute als einer der anerkanntesten Musikjournalisten. Nach Ihrem Umzug von Paris nach München und 1956 nach Berlin haben Sie neben Ihrer journalistischen Arbeit an der FU über zeitgenössische amerikanische Musik doziert. Obwohl Journalisten ja oft gewissen Vorbehalte gegen den universitären Betrieb haben, haben Sie auch später im Rahmen Ihres umfassenden Projekts über Beethoven in den 70er Jahren Vorträge auch an Universitäten in Kalifornien gehalten. Lieber Herr Moor, es ist schön, dass Sie mit fast 80 Jahren weiterhin intensiv journalistisch arbeiten und sich engagieren. Im April vergangenen Jahres gehörten Sie der Initiative “US-Amerikaner gegen den Krieg” an. Sie befürchteten und befürchten vermutlich nach wie vor, dass die derzeitige amerikanische Aussenpolitik die Gefahr eines Dritten Weltkrieges in sich trägt. Sie haben mit Ihrem Engagement dazu beigetragen, dass Stimmen aus der amerikanischen Zivilopposition auch in den deutschen Medien und bei deutschsprachigen Veranstaltungen Gehör finden. Damit haben Sie zu einem differenzierteren Bild der US-amerikanischen Gesellschaft beigetragen und einem beschränkten “Anti-Amerikanismus” entgegengewirkt. Der Journalist und Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein sagte einmal: “Ein leidenschaftlicher Journalist kann kaum einen Artikel schreiben, ohne im Unterbewusstsein die Wirklichkeit ändern zu wollen.” Sie, lieber Paul Moor, sind das lebende Beispiel engagierten Journalismus und ich muss gestehen, dass mich die Beschäftigung mit Ihrem Werk tatsächlich beeindruckt hat. Ihre Arbeit ist ein wundervolles Beispiel für intensiv gelebte deutsch-amerikanische Geschichte. Lieber Herr Moor, in Würdigung Ihrer Verdienste, die Sie weit über das Mass Ihrer beruflichen Pflichten hinaus erbracht haben, überreiche ich Ihnen mit grosser Freude das Verdienstkreuz am Bande.

Encomium/eulogy by the Express Secretary Barbara Kisseler (representing Germany’s President Johannes Rau, who had made a decision) in honor of Paul Moor on the event of awarding the Federal Cross of Merit with Ribbon on January 16th, 2004.

Dear Herr Moor, my very honored females and gentlemen,

For me it is actually an extremely great joy to award you, dear Herr Moor, the Cross of Merit with Ribbon of the Order of Merit of the Federal Republic of Germany. I can suppose a journalist who's familiar with formulate briefly and pregnantly must smile a lttle bit over this idea. The great decoration you receive today offers me the probably unique opportunity to go somewhat even more exactly into the superb and multi-layered oeuvre of your very long and successful professional lifestyle. Permit me to cast a few highlights upon your impressive work and at the same time do not bore your friends with facts prolonged known.

Dear Herr Moor, you are being honored because during the a lot more than sixty years of your artistic and journalistic activity you include succeeded as possess few personalities to make the cultural accomplishments of our region known on the globe. As a socially engaged journalist for overseas magazines, you - nearly like a citizen who will make professional make use of his freedom of thoughts and opinions - have publicized the caliber of German art and tradition.

By doing this, you possess contributed decisively towards assisting it to international recognition. Directly through the first years following the Second World War, when superb reservations existed not merely in america towards Germany and its own population, you acquired superb accomplishments. You brought Germany into reference to other, positive items, not merely with dictatorship, battle, and murder. 

By doing this, you without a doubt contributed towards an improved understanding between the countries, put better and extra concretely, their peoples. You earn it clear that numerous prevalent grounds exist, and not just in the cultural discipline. But in Germany you started to be generally known through your dealing with the trial of Jürgen Bartsch, which in the Government Republic of this time 1970s attracted great attention. 

Regarding to “legend” - and make sure you correct me in the event the facts are erroneous - you discovered of the trial through the press, went there, and reported onto it. Fact: as a Time-Life International Berlin correspondent, I requested and received the “Time” assignment to cover that first 1967 trial in Wuppertal. You found that the courtroom made things too easy for itself when it adjudged Jürgen Bartsch as unconditionally guilty and sentened him to multiple life-time imprisonment. You could not visit him, but you could create to him, and there created a correspondence which modified your own life aswell. You studied psychoanalysis, a science which from then on never let you proceed. You corresponded with prominent scientists such as for example Alice Miller and in 1972 published “The Self-Portrait of Jürgen Bartsch”, a many discussed book. The entire year after your second book on Jürgen Bartsch, “Victim and Perpetrator”, made an appearance in 1991, it had been dramatized by Oliver Reese. 

In 2001 another dramatization by the director Peter Förster followed. The impressive thing relating to this work lies likewise in the fact that it became apparent to you, as an American outsider, what the Government German society at that time did not see or did not want to check out: the cruelty of the upbringing Jürgen Bartsch got suffered; that harsh upbringing was even so no motif for the court, although it ought to have already been. Together with your shocking and disturbing publication you show the misdirected existence of a child-murderer as victim and perpetrator. Your lead over the tabloid sheets discovered expression primarily in the fact that you managed to get obvious for yourself and the viewers how little we do actually know. I possess the feeling that possibly thirty years in the future this discussion isn't closed, and should not be closed. 

Very honoured Herr Moor, I wish to stress with special emphasis that especially the location of Berlin has profited from your own journalistic contributions. For after 1956 you had decided in favour of Berlin as your house of home, and since 1995 possess lived here continuously. At first I was astounded when I heard that you had served in the jury of the 1973 Berlinale Film Festival. 

Yet actually film, together with photography, was a crucial area of your really incredibly multi-faceted work. 
In 1944 you'd written your primary film script and among other activities in 1980 built a amazing documentary film about an unknown and in those days still practising physician. This guy had worked well for eighteen weeks in the so-called “Hygiene Institute” in Auschwitz and at the same time remained - in your words - an “admirable individual”. Also in this instance you proved yourself an writer who dealt with topics “against the grain” and named seeming certainties into question. 

Dear Herr Moor, until this point the talk has been much about politics and journalism, about your research of psychoanalysis, but one primary concentrate of your work, yes, a crucial passion of your life, has so far remained unmentioned: music. At this time I must recall a quotation from Otto von Bismarck, who once explained: “When I hear Beethoven, Personally i think courageous.” I am sure that for you personally music means much more, for this has determined your life - during your research at the University of Texas [AND Juilliard!], and until 1954 as an extremely gifted pianist who already at the time however felt within himself the get of needing to write, and until today as one of the most recognized of musical journalists. 

After your approach from Paris to Munich [1951] and in 1956 to Berlin, you taught a course in contemporary American music at Berlin’s Free University. Although journalists often have specific reservations towards university actions, you also later, regarding the your extensive Beethoven job in the 1970s [preparing Beethoven's "Conversation Notebooks" for publication in English] provided lectures at universities in California [AND Atlanta!] 

Dear Herr Moor, it really is very good that at almost 80 you keep up performing intensively as an involved journalist. In April of this past year you belonged to the initiative “U.S. People in america Against War”. You feared and presumably continue steadily to fear that today's American foreign policy bears with it the threat of a UNDER-DEVELOPED War. Together with your engagement you have contributed to making been told the voices of American civil opposition also in the German mass media and at German-vocabulary presentations. With that you own contributed to a far more differentiated photo of the U.S.-American society and worked against a limited “Anti-Americanism”. 

The journalist and “Spiegel”-publisher Rudolf Augstein once said: “A passionate journalist can hardly write an article without wanting unconsciously to change reality.” 

You, dear Herr Moor, will be the living example of engaged journalism and I must confess that my occupying myself together with your work offers really impressed me. Your projects is a wonderful example of intensively lived German-American history. 

Dear Herr Moor, on recognition of your accomplishments/merits, that you've brought much beyond the way of measuring your professional obligations, We present you with great joy the Cross of Merit with Ribbon. 


Frau Staatssekretärin Kisseler then read out loud the written text of the impressive accompanying certificate, derived substantially from what she’d previously said. In my own response to all or any this I led off by quoting the telegram Boris Pasternak possessed sent from Moscow (in English) to the Nobel Prize Committee in Stockholm in October 1958 after studying that award: 

IMMENSELY PROUD TOUCHED PROUD ASTONISHED ABASHED